Yvonne Elisabeth Reiter: Katzenjäger. Eine spannende Geschichte aus der Welt der Samtpfoten

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Vandam
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Yvonne Elisabeth Reiter: Katzenjäger. Eine spannende Geschichte aus der Welt der Samtpfoten

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Yvonne Elisabeth Reiter: Katzenjäger. Eine spannende Geschichte aus der Welt der Samtpfoten, Breitbrunn 2021, Chiemgauer Verlagshaus, ISBN 978-3-945292-60-0, Softcover, 223 Seiten, Format: 12,2 x 2 x 19,3 cm, Buch: EUR 12,90, Kindle: EUR 9,49.

„Fällt euch nichts auf?“, fragte Feline.
„Nein“, erwiderte Maximus.
„Alle drei sind gesunde, ausgewachsene Katzen, die sich noch nie ernsthaft über ihre Zweibeiner beschwert haben. (...) Also, warum sollten sie abhauen? Warum gemeinsam, wo Leon nicht gerade unser Freund ist?“
(Seite 17/18)

Jungkater Django lebt zusammen mit seinem Bruder Maximus seit einiger Zeit bei der verwitweten Kinderärztin Sofie Maurer und deren Teenager-Tochter Tina. Den beiden Katern geht’s bei ihren Menschen gut und unter den Katzen im Dorf haben sie eine Menge Freund:innen. Doch in jüngster Zeit mehren sich Vermisstenfälle unter den Vierbeinern. Kira, Whiskers, Leon, Chico – alle sind von jetzt auf gleich spurlos verschwunden. Django, der eine Schwäche für die bezaubernde Kira hat, beschließt, sie zu finden und zu retten. Die anderen vermissten Katzen natürlich auch.

Vermisst! Die Katzen suchen ihre Freunde
Da alle Tiere nachts abhanden gekommen sind, beschließt die Katzenclique, sich ab Einbruch der Dunkelheit auf die Lauer zu legen. Vielleicht kommt der Entführer, das Monster, oder wer auch immer für die unheimlichen Vorgänge verantwortlich ist, ja wieder? Und so ziehen sie los: der schlaue Django, der draufgängerische Maximus, die esoterisch angehauchte Maine-Coon-Kätzin Blume sowie die bodenständige und seit einem Unfall leicht gehbehinderte Feline. Etwas später schließt sich ihnen auch noch Streunerkater Milo an.

Ein wenig planlos tapern sie nächtens durch die Gemeinde. Wirklich Ahnung von dem, was sie da tun, haben sie nicht. Die Rettungsmission bekommt erst dann ein Gesicht, als ein älteres US-amerikanisches Ehepaar mit ihrem Kater Yoda ins Dorf zieht. Yoda ist ein stattlicher Ragdoll-Kater mit reichlich Lebenserfahrung und einer Vorliebe für weise philosophische Gedanken, die irgendwie fernöstlich anmuten.

Mit Weisheit und Kriegskunst
Yoda will mit allen Katzen in seiner neuen Heimat gut auskommen, ja sogar mit Hunden. Und er möchte seinen neuen Freunden bei der Suche nach ihren vermissten Artgenossen helfen. Zu diesem Zweck hält er es für unabdingbar, dass sie allesamt die „Kriegskunst der Katzen“ erlernen. Meditieren sollen sie und sich in Selbstdisziplin üben. Hm, na ja ... ein bisschen seltsam kommt das den einheimischen Katzen schon vor, aber wenn’s hilft!

Dank Yoda wird die Suchaktion jetzt professionell durchorganisiert. Die Katzen suchen weiträumig die Gegend ab und wagen sich dabei in Regionen vor, die sie noch nie zuvor betreten hatten. Nicht überall werden sie freundlich aufgenommen, und Maximus wird sein Wagemut sogar beinahe zum Verhängnis.

Ihre nächtliche Patrouille ist durchaus nicht für die Katz! Die Gruppe entdeckt einen Zweibeiner, der nachts auf verdächtige Weise mit einem Kastenwagen durch die Gegend fährt. Wer ist das und was treibt er? Obwohl er sein Gesicht stets hinter seiner Kapuze versteckt, kommt er Django irgendwie bekannt vor. Er kann ihn nur nicht einordnen.

Eine gute Idee – theoretisch
Wenn sie wissen wollen, was aus ihren Freunden geworden sind, muss sich einer vom Katzenjäger fangen lassen und ein zweiter muss ihm unauffällig folgen, um nachher die Zweibeiner alarmieren und sie dort hinführen zu können. Ein guter Plan, zumindest in der Theorie. Die Umsetzung ist aber nicht so einfach! Kater Django manövriert sich in eine scheinbar ausweglose Situation hinein und die Leser:innen fragen sich bange, wie er da wohl wieder rauskommt.

Werden die Katzen es schaffen, ihre Freunde zu finden und zu befreien? Kommen sie überhaupt noch rechtzeitig? Wir wissen ja nicht, was der Katzenjäger im Schilde führt.

Erst spät wird’s spannend
Die Geschichte wird aus Sicht von Kater Django erzählt. Er berichtet aus der Ich-Perspektive, was hier geschieht. Das ist nett gemacht. Welche:r Katzenfreund:in malt sich nicht gerne aus, was in den Köpfen der Tiere vorgeht? Ein etwas höheres Erzähltempo hätte aber nicht geschadet. Der Kater beschreibt das, was ihm wichtig ist: fressen, schlafen, jagen, spielen, sich putzen und schmusen. So richtig Krimi-Action gibt’s erst nach rund 130 Seiten. Der Rest ist „Katzenalltag“.

Und was wird uns hier eigentlich für eine Philosophie verkauft? Yoda ist nie um einen klugen, inspirierenden Spruch verlegen und seine „Kriegskunst“ muss ja irgendwo ihren Ursprung haben. Wo hat er seine Weisheiten her? Vom Yoga? Vom Buddhismus? Ich habe keine Ahnung.

Yoga? Buddhismus? Oder was?
An den Ideen ist nichts verkehrt, aber ich werde immer misstrauisch, wenn mir in einer Unterhaltungslektüre in spirituelles Konzept untergejubelt werden soll. Es sei denn, es ist von vornherein klar, wofür der Autor/die Autorin steht und dass das Buch auch einschlägiger Wissens- und Wertevermittlung dient. Ich denke da beispielsweise an die Reihe DIE KATZE DES DALAI LAMA.

Ein Loblied auf Freundschaft und Mut
Süß fand ich ja Djangos Missfallenskundgebungen. Wo einem Zweibeiner zumindest ein herzhaftes „M i s t !“ entfleuchen würde, wenn nicht gar ein Wort mit „Sch“ vorne, sagt er nur diskret „Katzenärger!“. :-D Und der Katzenparcours, den Yodas Menschen aufgebaut haben, ist eine traumhafte Idee. Die verschiedenen Katzenpersönlichkeiten in dem Buch sind ebenfalls klasse, auch wenn die jähe Wandlung des einen vom ungestümen Wildfang zum eifrigen Jünger an die Gehirnwäsche von Sekten gemahnt. Diese Veränderung nehmen auch seine Artgenossen im Buch einigermaßen verblüfft zur Kenntnis.

Das Buch ist unterhaltsam, die Autorin kann gut beobachten und wunderbar Stimmungen beschreiben. Es ist ein Loblied auf Empathie, Freundschaft, Mut und Zusammenhalt. Nur mit dem Erzähltempo und der „Sektenfrage“ hatte ich bisschen Probleme.

Die Autorin
Yvonne Reiter studierte Betriebswirtschaft und arbeitete bei einer Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften in München. Später folgte sie ihrem Herzen und studierte Film & Theater an der University of Canterbury in Christchurch, Neuseeland. Über die Jahre hinweg lebte, studierte und arbeitete sie in England, Hawaii, Kanada, Schweiz, Spanien und Südafrika.
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