Carlos Suchowolski: Das Licht der Hohlwelt.

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Eguzkia
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Registriert: Sa 12. Dez 2015, 23:01

Carlos Suchowolski: Das Licht der Hohlwelt.

Beitrag von Eguzkia »

Hab dieses Buch gerade durch und weiß nicht so recht, welchem Genre ich es zuordnen soll. Es ist weder pure SF noch pure Fantasy, eigentlich eher Literatur (das soll aber jetzt niemanden abschrecken :-)
Das hab ich schon im SF-Forum kurz angesprochen und ich möchte diesen Text auch dort einstellen. Der Roman ist schon für mindestens beide "Zielgruppen" (sorry) spannendes Lesefutter.
Keines der üblichen Hohlwelt-Szenarios, hier geht es geht nicht um unsere Menschenwelt, die lediglich sozusagen umgekrempelt wäre (was beim Stichwort Hohlwelt leider manchmal "auf rechts gedreht" heißt). Die Wesen, die in diesem Hohlraum leben, ähneln ein wenig Schildkröten (aber auch das ist nur eine Annäherung). Allerdings machen sie in ihrer Welt (düster, außer Vulkanismus ist einzige Leuchtquelle so eine Art Leuchtqualle, die aber wiederum in ihrem Binnenmeer verankert ist und zyklisch auf- und untergeht) Erfahrungen und lieben und leiden in einer Weise, die einem dann doch wieder nicht ganz fremd ist. Andererseits ... Wenn man mit diesem Leuchtwesen in Berührung kommt (was sich nur wenige trauen, da es wie eine Gottheit verehrt wird, da hält man schön Abstand), dann verleihen einem seine Leuchtfasern ("Lychten") die Fähigkeit, sozusagen ins das Gehirn der anderen "Befallenen" zu schlüpfen, man wird geradezu zum anderen. Das ist wie eine Art Telepathie, aber heftiger, vor allem die "weibliche" Hauptperson, ein etwas unbedarftes Geschöpf, wird davon fast überwältigt.
Auch für den Leser (die Leserin) ist das zunächst nicht einfach, weil mehrere Personen zu Wort kommen, die man erst einmal sozusagen von innen heraus kennenlernen muss. Und die sind nicht alle sympathisch ... Aber man liest sich bald ein und will das Buch dann auch nicht mehr aus der Hand legen (muss man aber, auf einmal sind die fast 600 Seiten nicht zu schaffen). Die Personen sind durch unterschiedliche Redeweisen charakterisiert, die Sprache ist flüssig, der Rhythmus stimmt, man merkt gar nicht, dass es eine Übersetzung ist, so viele offensichtlich neu erfundene, aber gleich einleuchtende Begriffe tauchen da auf. Zum Glück gibt es ein ausführliches Glossar am Ende, vielleicht sollte man damit anfangen, dann hat man schon mal eine Vorahnung, auf was für eine Welt man sich da einlässt.
Ein außergewöhnliches, tiefgründiges Buch, das einem im wahrsten Sinn des Wortes neue Sichtweisen (u.a. Infrarot :-) vermittelt.

Carlos Suchowolski: Das Licht der Hohlwelt. Aus dem Spanischen von Pia Biundo. Edition SOLAR-X 2021.
ISBN 978-3-945713-84-6 (20.00 Euro)
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